19. Februar 2012

Toxikologie – Giftigkeit von Chemikalien – Bisphenol A

Bisphenol A (kurz BPA) ist eine Chemikalie, der wir ständig ausgesetzt sind, die unter anderem in vielen Plastik-Flaschen als Weichmacher zu finden ist. Die BPA-Konzentration im menschlichen Blut ist inzwischen messbar und nachweisbar – über die schädliche Wirkung dieser Chemikalie wird derweil nach wie vor munter gestritten. Die staatlichen Behörden der EU und der USA halten sich an Studien, die hauptsächlich von der Kunststoff-Industrie finanziert wurden. Gleichzeitig existieren aber auch hunderte unabhängiger Studien, die ebenfalls die Giftigkeit dieser Substanz untersuchen.

Nun hat eine große weltweite Gruppe von Wissenschaftlern (darunter mehrere aus Deutschland: Frankfurt, Würzburg, Berlin/Charité) eine Meta-Studie über all diese Studien erstellt und kam zu dem (im Nachhinein nicht ganz überraschenden, aber trotzdem in seiner Klarheit erschreckenden) Resultat:
Das Ergebnis einer Studie über die Giftigkeit der Chemikalie hängt in erster Linie davon ab, wer die Studie finanziert hat.

Während die offiziell anerkannten industrie-finanzierten, Studien nach angeblich wissenschaftlichen Standards die Unbedenklichkeit belegen, zeichnen wissenschaftliche Studien mit unabhängiger Finanzierung ein ganz anderes Bild, zum Beispiel dass die Konzentration von BPA, denen Menschen heutzutage ausgesetzt sind, bei Mäusen bereits eine schädliche Wirkung hat: „Hundreds of studies show adverse effects of BPA in animals, with many conducted at concentrations equivalent to current human levels of BPA exposure“
Gleichzeitig werden Mängel an den industrie-finanzierten Studien aufgedeckt und benannt: „Each of the four main industry-funded GLP studies of BPA […] is flawed and not appropriate for use in setting health standards.“
So steht dann auch im Fazit: „Leading experts […] are often specifically excluded“, „the depth of knowledge present on this and similarly constituted government regulatory agency panels is unlikely to be sufficient“ und „this process has a high potential to yield flawed assessments that jeopardize public health– Dieses Vorgehen hat ein hohes Potential, zu mangelhaften Einschätzungen zu kommen, die die allgemeine Gesundheit gefährden.

Ein solch drastisches Statement in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, veröffentlicht von 36 Wissenschaftlern aus 30 Institutionen, regt mich zum Nachdenken an …

 

Hier ist der Link zum Original-Artikel:
Environ Health Perspect. 2009 March; 117(3): 309–315.
Published online 2008 October 22.
doi:  10.1289/ehp.0800173

Urheberrechts-Hinweis zu den Zitaten und zum zitierten Artikel:
Copyright
This is an Open Access article: verbatim copying and redistribution of this article are permitted in all media for any purpose, provided this notice is preserved along with the article’s original DOI.

11. August 2011

Elektromobilität

Akkus, Hersteller, Ladesysteme, Automodelle, Messen, Studien, politische Entscheidungen, Fusionen, Rekorde, …
Die Liste der Themen, was es alles über Elektromobilität zu berichten gibt, ist lang.

Ich war – ehrlich gesagt – überrascht, als ich diese Seite zu lesen begann und bemerkte, wie viel es ständig zum Thema Elektromobilität zu berichten gibt. Hier erscheinen täglich mehrere Artikel rund um Elektroautos und alle Formen der Elektromobilität, eine goldene Fundgrube: Watt geht ab? wattgehtab.com

8. August 2011

Physik und Mobilität: Staus sparen Sprit :-o

Anfang Juli fand ein ganz besonderer Kongress in Wolfsburg statt: Die junge Deutsche Physikalische Gesellschaft (jDPG) widmete ein Wochenende der Mobilität aus physikalischer Sicht. Anhand von einer Vielzahl hochkarätiger Vorträge und einer kleinen aber feinen Ausstellung gab es einen Überblick über verschiedenste Forschungsarbeiten, bei denen die Physik eine Rolle bei der Mobilität spielt. So wurde der Flügelschlag der Schleiereule ebenso ausführlich erläutert wie mögliche Zukunftsszenarien unserer Mobilität.

BoCruiser

Der BoCruiser nach der Zieleinfahrt bei der World Solar Challenge 2009 in Adelaide (Australien)

Außerdem war der BoCruiser (Bild) vor Ort, das Solarauto von der Hochschule Bochum, dessen Konzept die zukünftige Alltagstauglichkeit klar anpeilt, und dessen Design bei der Solarauto-Weltmeisterschaft den ersten Preis erhielt. Einen Eindruck konnte man hier anhören:

Der NDR berichtete in seinem Wissenschaftsmagazin vom Kongress, wie sich vorausschauendes Fahren lohnt und warum Staus Sprit sparen können. Er lief in „Logo – Das Wissenschaftsmagazin des NDR“  in der Sendung vom 8.7.2011 (leider ist mir kein aktueller Link zum Beitrag bekannt). Der Beitrag beginnt bei etwa 34 Minuten und beinhaltet ein Gespräch mit dem Stau-Forscher Dr. Martin Treiber aus Dresden.

5. August 2011

Die Strombörse in Leipzig

Die Leipziger Strombörse EEX (European Energy Exchange) ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Stromhandels: Dort entstehen die Strompreise, zu denen große sowie kleine Stromanbieter, Stadtwerke und Verbraucher ihren Strom handeln. Auf tagesschau.de gibt es einen Artikel zur Strompreisentstehung an der Strombörse, der einen ganz guten Überblick über die Thematik bietet. Der Sachverhalt, der im o.g. Artikel mit „Das teuerste Kraftwerk, das noch benötigt wird, um den gesamten kurzfristigen Strombedarf zu decken, bestimmt den Preis.“ beschrieben wird, ließ mich aufhorchen. Diese Betrachtung erscheint mir ein wenig zu oberflächlich, ich möchte daher hier noch einige Notizen zur exemplarischen Entstehung des Strompreises schreiben:

Strom – Strombörse

  • Der Preis für den Stromhandel wird auf bei der Strombörse am sogenannten Spot-Markt bestimmt, das ist der Markt, an dem die kurzfristigen Stromgeschäfte für den kommenden Tag ausgehandelt werden, wie es in den folgenden Punkten beschrieben wird. Der Spot-Markt ist bisher der einzige Markt, an dem erneuerbare Energien gehandelt werden.*
  • Der Strompreis wird stündlich gehandelt, der tatsächliche Stromverbrauch muss von den Kraftwerksbetreibern und Verbrauchern 1⁄4-Stunden-genau eingehalten werden
  • Der Strompreisverlauf wird täglich mittags für den gesamten kommenden Tag festgelegt. Alle Angebote (Kauf und Verkauf) müssen bis 12 Uhr eingereicht sein, um 12:30 wird dann der Verlauf des Strompreises für den kommenden Tag (0-24 Uhr) bekannt gegeben.
  • Unter anderem zwei Kennzahlen sind für einen Überblick über den Strompreis wichtig:
    • „base“ ist der durchschnittliche Strompreis über den Tag
    • „peak“ ist der durchschnittliche Strompreis zwischen 8 und 20 Uhr (unabhängig vom tatsächlichen Preis-Maximum an einem bestimmten Tag, denn zwischen 8 und 20 Uhr ist die Zeit, in der Strom durchschnittlich am teuersten ist.)
  • Die Preise kann jeder auf EEX.de einsehen.
  • Der Maximale/minimale Strompreis ist auf ±3000€/MWh begrenzt. :-o (Diese Zahl wird weiter unten noch wichtig.)
  • Zur Preisermittlung wird (für jede Stunde des folgenden Tages) der Schnittpunkt aus Angebots- und Nachfragekurve ermittelt, aus dem Schnittpunkt ergibt sich dann der tatsächliche Strompreis. (Erläuterungen in den folgenden Punkten.)

    Schnittpunkt aus Angebots- und Nachfragekurve

    Entstehung des Strompreises aus Angebots- und Nachfragekurve

  • Angebotskurve: Jeder Stromanbieter gibt für jede Stunde des Folgetages an, wie viel Strom er zu welchem Preis anbieten kann, also wie viel Strom er produzieren kann, und welchen Mindestpreis er dafür akzeptiert. Diese Zahlen werden an der Strombörse gesammelt und kumulativ(!) gegen den angebotenen Preis aufgetragen, so entsteht die (stetig steigende) Angebotskurve. (Kumulativ deshalb, weil ja alle Angebote Mindestpreise sind, d.h. der Anbieter würde natürlich auch einen höheren Preis akzeptieren.) Die Kurve zeigt also, wie viel Strom zu welchem Preis verfügbar wäre.
  • Nachfragekurve: Jeder Stromkäufer gibt für jede Stunde seinen gewünschten Verbrauch an, und welchen Betrag er dafür maximal zu bezahlen bereit ist. Diese Zahlen werden ebenfalls kumulativ (beginnend beim höchsten Preis, also 3000€) aufgetragen, so entsteht die (stetig fallende) Nachfragekurve. (Kumulativ von oben deshalb, weil alle Angebote Höchstpreise sind, der Käufer würde immer auch einen niedrigeren Preis akzeptieren.) Die Nachfragekurve zeigt also an, wie viel Strom bei einem bestimmten Preis abgenommen würde.
  • Der tatsächliche Strompreis ist dann der Schnittpunkt zwischen Angebots- und Nachfragekurve. Aller Strom wird dann zum tatsächlichen Strompreis gehandelt, die Höhe der Angebote ist für den tatsächlichen Handel nicht mehr relevant.
  • Insbesondere die Anbieter sind gesetzlich dazu verpflichtet, reelle Preise für ihre Angebote zu verlangen, die durch ihre Gestehungskosten gerechtfertigt sind. Sie dürfen also nicht aus strategischen Überlegungen heraus höhere oder niedrigere Preise anbieten.
  • Erneuerbare Energien haben jedoch „Vorfahrt“, das heißt, sie dürfen immer zum Preis Null anbieten. Sie sind allerdings dazu verpflichtet, die lieferbare Strommenge so genau wie zumutbar möglich abzuschätzen.
  • Es gibt Verbraucher, die ihren Strom unbedingt brauchen, egal wie teuer er ist, hierzu zählen insbesondere zB Stadtwerke(!). Diese bieten daher immer den Maximalpreis.
  • Übliche Preise bewegen sich bei 50€/MWh, Maximalpreise (z.B. an heißen Sommertagen) liegen schon mal bei 500€/MWh. Anhand der auf EEX.de veröffentlichten Daten kann jeder den Verlauf nachvollziehen.
  • Nun zu den erneuerbaren Energien: Laut EEG gibt es ja einen garantierten Abnahmepreis für erneuerbar erzeugten Strom. Diese EEG-Zulage wird in der Preisentstehung an der Börse zunächst nicht eingerechnet, sie wird erst nach der Preisbildung berechnet: Die Summe zur Förderung des angebotenen EEG-Stroms wird auf die Gesamtmenge des gehandelten Stroms umgelegt und auf den an der Börse entstandenen Strompreis aufgeschlagen.
  • Eine große Menge Strom wird auch außerhalb der Spot-Börse gehandelt, z.B. durch bilaterale Verträge zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Diese Verträge beziehen sich jedoch nur auf die Strommenge, der Preis wird dabei noch nicht festgelegt sondern orientiert sich immer am dann jeweils gültigen Börsenpreis.

Ich hoffe, mit diesen Infos wird auch das Lesen des o.g. tagesschau-Artikels etwas transparenter. Insbesondere die letzten beiden Abschnitte dort beinhalten ein paar gute Punkte.

Die Notizen hatte ich nach einem Vortrag von Frau Dr. Kathrin Goldammer gemacht, danke für den guten Überblick und die Diskussion.

Fußnote:
* Das könnte sich mit Inkrafttreten der EEG-Novelle ab 2012 ändern, Stichworte „Direktvermarktungsmodell“, „Marktprämie“

2. August 2011

Organische Solarzellen

Organische Solarzellen sind eine wunderbare Perspektive für die erneuerbare Energieversorgung, versprechen sie doch, solare Energie an vielen Stellen und für viele Anwendungen zur Verfügung zu stellen, wo man heute noch gar nicht an Solarenergie denkt. Organische Solarzellen sind flexibel biegsam wie eine Plastikfolie, können in verschiedenen Farben hergestellt werden und versprechen auch preislich deutlich unter der Konkurrenz aus klassischen anorganischen Solarzellen aus Silizium und ähnlichen Technologien zu liegen.

Ist das also die Zukunft der Photovoltaik?
Ein Beitrag dazu von der BBC (auf englisch):
BBC World News – Horizons Business – Organic Photovoltaics
(dritter Teil des Videos)

1. August 2011

Es gibt News!

Und zwar rund um die wichtigen Zukunftsthemen Erneuerbare Energien und Mobilität.

Viel Spaß beim Lesen. :)